7 Monate mit dem Jinbei DC-600

Im Frühling entschied ich mich zum Kauf eines Jinbei DC-600 aka “Chinaböller” Blitzes. Bis dahin war ich immer mit Speedlights unterwegs, die ich vor allem bei Bikeshoots einsetzte. Bei Tageslicht kamen die Dinger aber schnell an ihre Grenzen und ich musste sie dann schon fast mitten auf den Trail stellen um etwas bewirken zu können. Und an den Einsatz von grossen Lichtformern war gar nicht zu denken. Um das Equipment und auch die Biker zu schützen suchte ich schon seit längerer Zeit nach etwas portablem mit etwas mehr Leistung.

Den Elinchrom Quadra oder aber auch den Profoto b1 hatte ich schon lange bewundert, aber der Preis war immer sehr abschreckend (wenn man so einen Blitz tagtäglich einsetzt relativiert sich das natürlich wieder). Zusätzlich war ich mir auch gar nicht sicher wie viele Male der Blitz dann auch zum Einsatz kommen würde.

Aber dann las ich in diesem Internet vom DC-600. Der Preis war gerade in der Region wo man ein Experiment wagen konnte und die gefundenen Reviews waren auch nicht grottenschlecht. Der Entscheid den Blitz zu kaufen war da, aber ich war mir unsicher ob ich nicht besser die 1200er (also der mit 2facher Leistung) Version kaufen wollte. Schlussendlich entschied ich mich für die „kleine”, also die 600Ws, Version, da der Blitz in meinen (grossen) Rucksack passen musste.

Ich bestellte das Ding bei Foto-morgen.de und innert weniger Tage hielt ich den Blitz in den Händen.

Verarbeitung

Der erste Eindruck war gar nicht schlecht; ich hatte schon Dinge aus China die wesentlich schlechter verarbeitet daher kamen.

Aber der viele Plastik fällt schon auf und der Blitz ist sicher nicht wasserfest verarbeitet. Mit dem will man sich also lieber im Trockenen bewegen und im Outdoorbereich nehme ich immer noch einen Plastiksack für die Batterie und den Generator mit, damit das Ding mir nicht um die Ohren fliegt.

Jinbei DC-600 Generator/Akku

SuperSync

Der Blitz hat den Vorteil (oder auch Nachteil), dass er recht langsam ist. Das heisst, dass er langsam abrennt. Wenn man sich über der Synchronisationszeit der Kamera befindet, dann kann das eher störend sein, da der Blitz nicht alles so einfriert wie er sollte.

Mit einer kleinen Schaltung und einem Oszilloskop versuchte ich die Geschwindigkeit eines DC-600 und SB-900 zu vergleichen (Anmerkung 1: der DC-600 hat natürlich eine sehr viel grössere Leistung als der SB-900. Anmerkung 2: Bei der Messung sind sicher auch einige Messfehler drinnen und die Angaben dienen lediglich als Vergleich).

links: Jinbei bei A+B auf Leistungsstufe 5 was nach Jinbei etwa 1/800 (1,125ms) als t.5 entsprechen sollte. Gemessen wurde 4,9ms als etwa einem 1/200 entpricht. rechts: Nikon SB-900 bei 1/1 was nach Nikon 1/880s (1,1ms) entspricht. Ob dies die t.5 oder t.1 Zeit ist, wird leider nicht angegeben. Die Messung ergab für t.5 960us (1/1010) und für t.1 2,66ms (1/375). Diese Angaben sind natürlich ohne Gewähr

links: Jinbei bei A+B auf Leistungsstufe 5 was nach Jinbei etwa 1/800 (1,125ms) als t.5 entsprechen sollte. Gemessen wurde 4,9ms als etwa einem 1/200 entpricht. rechts: Nikon SB-900 bei 1/1 was nach Nikon 1/880s (1,1ms) entspricht. Ob dies die t.5 oder t.1 Zeit ist, wird leider nicht angegeben. Die Messung ergab für t.5 960us (1/1010) und für t.1 2,66ms (1/375). Diese Angaben sind natürlich ohne Gewähr

Wenn man aber mit einer Belichtungszeit arbeitet die unter der Synchronisationszeit der Kamera liegt, dann wird es interessant: Wäre der Blitz schnell, dann hätte man die bekannten dunkeln Balken im Bild, da der Blitz nicht während der gesamten Zeit, die die Verschlussvoränge benötigen um ihre Arbeit zu verrichten, leuchtet (also Abbrenndauer < Verschlusszeit). Da der Jinbei aber super langsam ist, leuchtet er die ganze Zeit (Abrenndauer > Verschlusszeit) und man hat keine dunkeln Balken. Klar ganz gleichmässig wird diese Belichtung nicht sein, da die Intensität etwas abnimmt. Am Funkauslöser muss aber zwingend auch noch etwas rumgeschraubt werden, damit der Blitz etwas vor der Kamera auslöst und dieser die volle Intensität erreichen kann. Hat man das, dann kann mit dem Jinbei doch bis 1/1600s aufgenommen werden. Danach gibt es bei mir unten einen kleinen schwarzen Balken der bis 1/8000s konstant bleibt. Eventuell müsste der Blitz noch ein wenig mehr vor der Kamera ausgelöst werden, aber so weit kann ich die Pocket Wizards leider nicht verzögern. Eine gute Abhandlung über Supersync findest du aber bei Christian Horn.

Wenn man aber wie ich draussen ist, dann ist das nicht so ein Problem, da man im Ausschnitt der sonst Schwarz werden würde schaut, dass da das Umgebungslicht dominant ist und der Blitz keinen oder wenig Einfluss hat.

Was mich aber erstaunt hat ist, dass man mit SuperSync trotz des Leistungsverlustes Aufnahmen gegen die Sonne machen oder aber auch schnelle Bewegungen bei Tageslicht einfrieren kann.

Erfahrung

Nach dem Herumspielen mit dem Blitz und den Pocketwizards war dieser dann bereit für den Einsatz. In diesem Sommer habe ich mir ein kleines Projekt vorgenommen, bei dem ich Menschen die gerne Outdoor-Sportarten betreiben porträtieren will. Neben einer Actionaufnahme, mache ich auch immer ein Porträt und eine Aufnahme vom Sportler mit dem Sportgerät. Das war natürlich der richtige Einsatz für diesen Blitz, da ich viel mit Supersync bei Tageslicht fotografierte.

Laura Faces of the outdoors

Karin Faces of the outdoors

Edi Faces of the Outdoors

Bei meinem Projekt war der Blitz bisher immer ein treuer Begleiter und auch längere Anmärsche mit ihm (und Stative, Lichtformer, etc.) im Rucksack waren bewältigbar (zugegeben waren die 1.5h auf fast 3000m Höhe hart). Den Blitz verwende ich meist mit einem Schirm, da die 90cm Octabox viel zu gross für den Rucksack ist.

Bei diesen Einsätzen bemerkte ich auch einige Nachteile des Blitzes. Einer ist zum Beispiel, dass wenn man während dem Einsatz eine niedrigere Leistung einstellt, den Blitz zuerst auslösen muss, damit dieser auch effektiv auf die neu eingestellte Leistung runterregelt. So musste ich teilweise sehr viele Auslösungen machen um bei der gewünschten Belichtung anzukommen. Fairerweise muss ich hier aber anfügen, dass er Akku immer gehalten hat.

Was mir auch noch ein paar wenige Male aufgefallen ist, ist dass der Blitz in so etwas wie einen Sleep-Modus fällt. Oder sich sonst einfach abstellt. Vielleicht kann man mit dem mitgelieferten Jinbei Auslöser den Blitz wieder aufwecken, aber mit den Pocketwizards scheint dies nicht möglich zu sein. Darum löse ich den Blitz lieber nochmals zur Sicherheit aus während der Biker das Bike den Berg hochschiebt, damit der Blitz dann sicher bereit ist, wenn der Biker runterfährt. Das nervt ehrlich gesagt ein bisschen, aber ich habe mich jetzt schon daran gewöhnt.

Serienaufnahmen kann ich mit dem Blitz natürlich auch nicht machen, aber ich war mir von den Speedlights nicht anderes gewohnt.

Und nun die Gretchenfrage: Würde ich den Blitz wieder kaufen? Sicher, denn dank dem Jinbei kann ich nun gegen die Sonne blitzen und so neue Dinge ausprobieren die ohne einfach nicht möglich waren. Über die Nachteile schaue ich gerne hinweg, da ich das Teil nicht jeden Tag einsetze und auch weiss wie ich damit umgehen muss.

Wenn man nach einer Alternative im selben Preissegment sucht, dann sollte man sich den HD-600 von Jinbei anschauen. Der HD-600 hat den Akku direkt im Blitzkopf integriert und ist so handlicher als der DC-600.

UPDATE 16. August 2015: Seit kurzem habe ich ein HD-II 600-v und in diesem Artikel kannst du mehr über meinen ersten Eindruck lesen.

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